The HTB-Experience

Eine Kirche, vier „sites“, 12 Gottesdienste und ca. 5500 Mitglieder – so stellt sich Holy Trinity Brompton (HTB) auf den ersten Blick dar. Die Mutterkirche des Alpha-Kurses, grösste anglikanische Kirche der Church of England, ist zum einen ein durchstrukturierter, funktionierender Betrieb mit ca. 350 Angestellten und unzähligen Freiwilligen, die sich in der ganzen Stadt in Suppenküchen, Ehekursen, Schuldenberatung, etc. engagieren. Andererseits ist HTB eine Kirche: vernetzt, vielfältig und energiegeladen. Eine genaue Darstellung von HTB würde diesen Rahmen sprengen, aber auf der Homepage findet man viele Informationen.

Zum Kontext: Mit „meiner“ katholischen Reisegruppe erlebten wird heute zwei Welten des HTB-Erlebnisses. Am morgen besuchten wir HTB Queen’s Gate, die anglo-katholische Ausprägung einer charismatischen Kirche, aber trotzdem High Church durch und durch.

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Am Abend waren wir in der main site an der Brompton Road im 5pm Gottesdienst. Die Kirche war gefüllt mit jungen Menschen, die Band war laut und poppig und eine Lichtshow unterstützte das htb experience.

Für mich waren nun aber nicht in erster Linie die gottesdienstlichen Formen, sondern die Inhalte spannend. Hinter der äusseren Form ist eine grosse inhaltliche und theologische Konsistenz und Kohärenz zu entdecken. Wer über die Form hinweg sehen kann entdeckt den roten Faden, der auf den HTB-Prozess hinweist:

  1. Alpha
  2. Discipleship / transformation
  3. Mission/ church planting

HTB ist, egal in welcher Ausdrucksform immer auch, ein Label, bei dem man weiss, was man bekommt. Der Vergleich mit eine Fastfood-Kette greift dabei aber zur kurz. Denn die fastfood-Metapher impliziert ungesundes Essen, ohne grossen Nährstoffgehalt.

Ein Vergleich mit Starbucks kommt HTB vielleicht schon näher. Starbucks ist zwar ein Label, bietet aber Platz, Heimat, einen vorübergehenden Arbeitsorte, Gemeinschaft und Individualität und Diversität. So ist das HTB- wohl eher ein Starbucks-Experience. Christliches, evangelisch-charismatisches Erleben und Erlebnis ist dabei das Leitparadigma. Das Lable HTB bietet ein experience, das nicht bloss kognitiv ist, sondern emotional, spirituell, gemeinschaftlich und persönlich. Wer sich auf das HTB-Erlebnis einlässt beginnt mit dem Alpha-Experience, das zum Ziel hat Gott im eigenen Leben zu entdecken. Danach kann die Person in eine discipleship-Gruppe gehen, die schlussendlich darauf hinzielt, dass man wieder ausgesendet wir, um bei der Pflanzung neuer Gemeinden zu helfen.

Für die Zielgruppen von HTB, die Starbucks-Gesellschaft, ist das Format passend und angepasst. Eine gelingende Form von Kirchenentwicklung kann entdeckt werden. Allerdings muss gleichzeitig auch kritisch zurück gefragt werden, ob das Leben so einfach ist, wie das HTB-Erlebnisses vermittelt? Was wenn die Komplexität des Lebens sich in den Zweifel- und Glaubensprozesse widerspiegelt? Was wenn die Geschwindigkeit des persönlichen Prozesses nicht mit der hohen Geschwindigkeit des Alpha- und discipleship-Erlebnisses übereinstimmt? Was wenn die theologischen Fragen doch noch etwas komplizierter sind? Was wenn Glaube nicht Bekehrung und Haben bedeutet, sondern Suchen und Leben in grössere und kleinerer Gottesnähe und Gottesferne? Vielleicht ist aber schlussendlich einfach festzuhalten, dass eine pluralistische Welt vielfältige, religiöse Erlebnisse und Zugänge braucht, die aber bei der Authentizität keine abstriche machen.

Ein Gedanke zu „The HTB-Experience

  1. […] Warum „Try Alpha“ nicht (immer) die richtige Antwort ist In der Vereinfachung liegt aber gerade auch die unumgängliche Schwäche des Alpha-Kurses (und natürlich auch anderer Glaubenskurse). Denn die Frage „Wie finden Erwachsene zum Glauben?“ ist eben doch eine hochkomplexe überfordernde Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Das zeigt insbesondere die Studie mit eben diesem Titel: So individuell wie jeder Mensch ist, so individuell ist jede Suchbewegung nach Sinn und Bedeutung, so individuell ist jede Glaubensreise und jeder Glaubensweg. Es gibt nicht ein „Schema F“ nach dem Konversion (Entdeckung des/Hinwendung zum/Vergewisserung im (christlichen) Glauben) stattfindet. Auch zeigt die Studie, dass Glaubenskurse in Konversionsprozessen insbesondere dann eine Rolle spielen, „wenn Menschen erreicht werden, weniger, um sie zu erreichen. (Zimmermann / Schröder: Wie finden Erwachsene zum Glauben?, Aussaat, 2010, 129) Sie helfen Menschen, sich mit dem Glauben auseinander zu setzen, setzen aber zugleich voraus, dass schon eine Beziehung und ein Interesse besteht. Sie setzen voraus, dass Menschen sich einladen lassen. Und: Konversion geschieht eben oft über einen längeren Zeitraum, im Modus eines Prozesses. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Bei der Greifswalder Konversionsstudie ergab der Median einen Wert von 5,8 Jahren für den Abstand der ersten (neuen) Begegnung der Befragten mit dem Glauben und einer Glaubensveränderung/Konversion. Da stellt sich zu Recht die Frage, ob ein Kursformat von 10 Wochen diesen Prozessen gerecht wird? (Siehe Sabrina Müller’s Post zur HTB-Experience.) […]

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