Mit Gebet und Café unterwegs in die Zukunft

Benjamin Hermann

Anfangs Oktober durfte unsere Studiengruppe das Café «Coffee & Deeds» der reformierten Kirchgemeinde Hirzenbach am Stadtrand von Zürich besuchen. Auf den ersten Blick ist es ein normales Café, auf den zweiten findet man im Angebot der Speisekarte auch die Möglichkeit ein Gebet zu bestellen. Das englische «deeds» (Taten) im Namen erfüllt sich dadurch, dass wer will auch noch ein Getränk für eine bedürftige Person vorbezahlen darf und Seelsorgende für Gespräche zur Verfügung stehen.

Nachdem wir Studierenden gemeinsam unsere Gedanken und Fragen auf der Kreidewand festgehalten hatten, stand uns der Innokon der Gemeinde, Marcel Grob, Rede und Antwort. Als Innokon ist er dafür verantwortlich den Aufbau und die Umsetzung von innovativen Ideen zu fördern. Das «Coffee & Deeds» ist eine solche innovative und vielleicht zukunftsweisende Idee.

Beim Schreiben dieses Blogbeitrages wurde mir schnell klar, dass ich zuerst meine Gedanken und Eindrücke ordnen musste, so entstand unter anderem das angeführte Mindmap. Für mich stand die Kernfrage im Zentrum, wie es das Café schafft, sich in einer urbanisierten Umgebung, in welcher die Menschen bereits sehr vielbeschäftigt sind, zu etablieren. Was macht das «Coffee & Deeds» – Team richtig, so dass die Menschen das Angebot schätzen und unterstützen?

Fangen wir also bei den Ursprüngen vom Zürcher «Coffee & Deeds» an. Im Jahr 2013 fanden sich per Zufall verschiedene Gemeindemitglieder zusammen, welche alle schon lange Lust hatten in Hirzenbach ein Projekt zu lancieren, welches nicht nur die kirchennahen Christ*innen, sondern alle Hirzenbacher*innen berühren und bewegen würde.

So Begann das Café nicht aus Bedürfnisanalysen und langwierigen Prozessen, sondern vielmehr aus dem Wunsch und der Motivation einzelner Mitwirkender. Die Mitarbeitenden der reformierten Kirchgemeinde Hirzenbach unterstützten den Tatendrang; es wurden Gelder organisiert, Ideen ausprobiert und auch wieder verworfen.

Für mich zeigt sich im Handeln der Hirzenbacher*innen, eine grosse Portion Mut, Hoffnung und Durchhaltevermögen. Die Menschen sind gewillt ihren Teil zur Umsetzung beizutragen, sei dies durch ehrenamtliche Arbeit im Café oder Geldspenden für den Umbau und die Einrichtung. Sie sorgen dafür, dass die Vielfalt in der Gemeinschaft Platz findet. Zum einen durch ein vielfältiges Angebot an Anlässen, wie dem Seniorenturnen und dem Eltern – Kind – Singen. Zum anderen dadurch, dass der christliche Glaube zwar Eingang in das Café, dessen Abläufe und sogar die Speisekarte findet, doch immer auch Platz für Andersgläubige lässt. Die Energie, welche dabei entsteht, ist spürbar sobald man das Café betritt und motiviert Helfende und auch neue Leute zu weiterem Engagement.

Woher nehmen die Menschen in Hirzenbach den Willen stets am Ball zu bleiben und sich stets wieder aufeinander einzulassen? Marcel Grob hätte hier wohl eine klare Antwort: durch das Wirken von Gottes Geist.

Für mich scheint dieses Wirken eine wichtige Grundlage für den Erfolg des «Coffee & Deeds» zu sein, doch genau so wichtig ist auch, dass sich alle Mitwirkenden und Teilhabenden immer wieder dafür entscheidet, sich neu vom Geist berühren und bewegen zu lassen.

Solange diese Offenheit Teil des «Coffee & Deeds» bleibt, sind die Hirzenbacher*innen unterwegs in eine Zukunft, in welcher der Glaube stets einen Platz mitten in wachsenden Strukturen haben wird.

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