Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten für Kirche in der Stadt

Dinah Stampfli

In vielen Grossstädten gehören die Kirchen nicht nur zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten, sondern sogar zur sog. «Skyline» der Stadt. In Zürich prägt das Grossmünster ausserdem das Logo der Universität. Meistens sind die berühmten Kirchen einer Stadt jedoch an einer Hand abzählbar. In der Stadt Zürich gibt es insgesamt 72 Kirchen (nur römisch-katholisch und evangelisch-reformierte), doch die Bedeutung und die Funktion dieser vielen Kirchen ist jeweils unterschiedlich. In nicht einmal 200 m Distanz befinden sich das Grossmünster und das Fraumünster, dazwischen die Wasserkirche. Alle diese 3 Kirchen haben unterschiedliche Bedingungen und somit auch unterschiedliche Herausforderungen.

Genauso unterschiedlich wie es die Kirchen und ihre Umgebung in der Stadt sind, sind nämlich auch die jeweiligen Gemeinden. Ist die Kirche eher in einem teuren Wohnviertel wird die Gemeinde ganz anders sein und andere Ansprüche haben als Gemeinden in einem ärmeren Wohnviertel. Teilweise gibt es Kirchen, zu denen mehrere verschiedene Quartiere gehören. Mit dieser grossen Vielfalt umzugehen, kann für das Pfarramt enorme Herausforderungen bedeuten. Heutzutage, wo der Gottesglaube nicht mehr allgegenwärtig ist, entwickelt sich oft das Phänomen, dass die Gottesattribute auf das Pfarramt angewendet werden. Die Gemeindemitglieder erwarten von ihren Pfarrer*innen, dass sie immer präsent sind, immer ihre Sorgen verstehen und immer Zeit haben, sich um sie zu kümmern. Während also die Anforderungen an das Pfarramt steigen, sinken die Ressourcen der Kirche, da es viele Austritte gibt. Es werden immer weniger Leute eingestellt und es gibt viele Pfarrpersonen, die mehr als 100% arbeiten. Aus der Sicht der psychischen Gesundheit betrachtet, werden Pfarrpersonen unter einen enorm grossen beruflichen und gesellschaftlichen Druck gestellt, was schnell zu einem Burnout führen kann.

Eine Lösung für diesen Teufelskreis zu finden ist schwierig. Die einfachste Lösung wäre wohl, wenn die Kirchgemeinden wieder wachsen würden. Diese Lösung klingt zwar einfach, ist jedoch nicht umsetzbar, da sich die Gesellschaft in eine ganz andere Richtung entwickelt und man diese Entwicklung nicht einfach aufhalten kann. Meiner Meinung nach ist es wichtig, die Ressourcen der urbanen Kirche zu nutzen, allen voran die Wandelbarkeit der Kirche. Matthäus 18,20 lehrt uns, dass «wo zwei oder drei in Gottes Namen versammelt sind, er mitten unter ihnen ist». Je nach Auslegung des Verses ist Kirche überall dort, wo man sich in Gottes Namen trifft. Gerade in der Stadt eröffnet dies grosse neue Möglichkeiten. Einen öffentlichen Gottesdienst auf dem grössten Platz der Kirche, eine Kirche in der nur White Metal als Musik dient, ein Gebetsgarten, usw. Die Wandelbarkeit der Kirche ist enorm gross und es gibt grenzenlose Möglichkeiten für die urbane Kirche. Dies ist zwar wiederum eine Frage des Budgets, aber vielleicht auch einfach eine Frage des Vertrauens.

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