totsächlich #21 Den Lebensfaden aufnehmen (1)

Spontan beschlossen mein Partner und ich Freunde in Süditalien zu besuchen. Ein Tapetenwechsel konnte uns nicht schaden. So packten wir unser kleines Auto und fuhren Richtung Süden. Da der Suizid meiner Freundin immer noch mein Leben überschattete war es nicht so, dass ich mich sehr auf die Reise freute, oder mir viel davon erhoffte. Doch ich liebte Italien, das Lebensgefühl, die ungezwungene Atmosphäre, das Essen, den Wein, die Olivenhaine und das Meer. Andi und ich spazierten durch wilde Mohnwiesen, buddelten mit unseren Freunden essbare Wurzeln aus und tranken guten Kaffee. Wie es in Italien so üblich ist wurden wir Freunden von Freunden vorgestellt und wurden spontan zu einer Tauffeier mit ausgiebigem Mittagessen eingeladen. Dort lernten wir Leute kennen, die aktiv im Tierschutz mitwirkten. Das war für mich spannend, denn es war mir nicht bewusst gewesen, dass es hier Menschen gibt, die sich für die armen Hunde auf der Strasse einsetzten.

In den folgenden Tagen ging es weiter mit Besuchen und Festen. Unter anderem wurden wir auch zu einem Grillfest draussen auf dem Land mitgenommen. Die Sonne schien warm und mein vom Tod erstarrtes Innenleben konnte ein bisschen etwas vom Leben erahnen.

Als wir beim Grillfest ankamen stellte ich fest, dass es da ausser einem Rohbau, ein paar Olivenbäumen und den feiernden Menschen nichts gab. Ich hielt mich etwas abseits der Gruppe, beobachtete das Geschehen und die Umgebung, da fielen mir plötzlich zwei kleine Welpen auf. Beide schauten sich ängstlich und trotzdem neugierig um, waren abgemagert und hatten scheinbar grossen Hunger. Sofort bediente ich mich am Grillbüffet und futterte damit die hungrigen Hunde. Obwohl sie verängstigt waren, nahmen aber das Futter dankbar an und liessen sich von mir anfassen. Kaum näherte sich aber eine andere Person liefen sie davon. Ich fragte alle am Fest, ob sie diesen ausgesetzten Welpen nicht ein zu Hause geben wollen, doch die Leute lachten mich aus. Ich verbrachte einen grossen Teil des Tages mit diesen zwei kleinen Hunden, die mich mit grossen traurigen Augen ansahen.

Natürlich erinnerte ich mich daran, dass es immer Angelikas Herzenswunsch gewesen war einen Hund zu haben. Es stimmte mich traurig, dass sie ihr Leben beendet hatte, bevor ihr zum Beispiel sowas möglich war. In diese Gedanken vertieft, am Rande des Festes, erschienen mir diese zwei mageren, ängstlichen Welpen wie ein Wink von Angelika, ein Geschenk Gottes, ein dünner Lebensfaden, der sich mir hier anbot.

Reflexionen

Obwohl die Energie und Lust auf einen Tapetenwechsel in der Trauersituation häufig nicht vorhanden ist, kann er förderlich sein. Bei komplexen Trauersituationen, wie sie sich im Falle eines Suizids darstellt, geht es darum sukzessive auch wieder mit etwas Lebendigem in Kontakt zu kommen. Langsam zu spüren, zu erleben, zu schmecken und zu sehen, dass es mehr als nur den Tod, Verlust und die Endgültigkeit gibt. In der Vorstellung der trauernden Person scheint dies kaum möglich zu sein. Deshalb ist es so wichtig mit ins Leben genommen zu werden und Lebendigkeit mitzuerleben. Dreiviertel Jahre nach Angelikas Suizid, in denen ich mich vorwiegend abgekapselt hatte, kam mir in Italien das Leben entgegen. Meist sind das zarte Momente, wie wenn sich der Frühling mit dem Duft der ersten Blüten ankündigt. Manchmal gelingt es der trauernden Person auf die Handreichung des Lebens zu reagieren, den Lebensfaden zu erahnen und ihn aufzunehmen: aktivierte Resilienz als Antwort auf die Angebote des Lebens.

totsächlich #20 Wer ist schuld am Suizid?

Wie im letzten Beitrag beschrieben, meldete sich die Wut plötzlich und wie ein Vulkan in meinem Trauerprozess. Anders war das mit den Schuldgefühlen. Die waren seit dem ersten Augenblick, als ich von Angelikas Suizid erfahren hatte, da. Manchmal waren sie nur latent und kaum spürbar anwesend, manchmal aber alles beherrschend. Monatelang rekapitulierte ich in unzähligen Wiederholungen mein letztes Telefonat, meine letzten SMS und Mails mit Angelika. Warum hatte ich nichts gemerkt? Hätte ich sie noch direkter auf das Thema ansprechen müssen. Es schien ihr doch besser zu gehen?! Warum hatte ich nicht darauf bestanden, dass sie uns auf unserer langen Hochzeitsreise besuchen kommt und ein paar Wochen mitreist? Hätte ich ihre Psychiaterin anrufen und sie auf die ausgestellten Schlaftablettenrezepte ansprechen müssen? Warum hatte ich mich ein halbes Jahr zuvor mit Angelika gestritten, wäre es anders gekommen, wenn das nicht gewesen wäre. Wir hatten uns doch schon längst versöhnt? Vielleicht tat ihr unsere Freundschaft nicht gut? Ich versuchte schriftlich in meinem Tagebuch mit der Schuldfrage einen Umgang zu finden:

«Im Angesicht von Angelikas Tod wird mir meine Machtlosigkeit immer wieder bewusst. Obwohl ich in die Beziehung zu Angelika so viel investiert habe und so oft zu Gott um ihr Leben gefleht habe, hat doch alles nichts genützt. Weder Gebet, noch Bemühungen, noch Liebe, noch Ermutigung und Freundschaft konnten in Angelikas Leben etwas verändern und ihren Tod verhindern. […] Weisst du Angelika, dass ich deinen Verlust nicht so einfach verkraften kann? Ich frage mich, was hätte dich am Leben erhalten können? Warum hat deine Familie deine Krankheit ignoriert? Warum hast du nicht angerufen, als es dir schlecht ging? Habe ich versagt? Was hätte ich tun sollen, damit du geblieben wärst? Ich hätte es spüren und wissen müssen! Warum habe ich nichts gemerkt? Ihr Tod ist so sinnlos, solch eine Vergeudung von Leben! »

Lange lebte ich in der Überzeugung, dass ich etwas hätte merken müssen. Ich hätte spüren müssen, dass sie sich das Leben nimmt. Wenn ich die eigenen Schuldzuweisungen nicht mehr aushielt, dann machte ich in inneren Monologen Angelikas Familie und dem weiteren Umfeld Vorwürfe. Warum hatte die Familie nichts gegen das Mobbing unternommen, dem Angelika als Kind ausgesetzt war? – Dann würde sie jetzt sicher noch Leben! Wie konnte eine ausgebildete Fachperson, eine Psychiaterin, so gedankenlos Medikamente verschreiben? – Das war doch fahrlässig! Und wo waren die anderen Freunde? – Die hätten es doch merken müssen!

Chaotisch, unkontrolliert und zermürbend drehte sich in meinem Kopf die Schuldspirale: Auch ich hatte versagt…

Reflexion

Nicht nur Wut ist Teil des Trauerprozesses nach einem Suizid. Ganz typisch sind Schuldgefühle. Ich habe unzählige Gespräche mit Hinterbliebenen geführt und es gab kaum je eines, indem Schuld, auch nach vielen Jahren, kein Thema war. Die Schuldgefühle und Selbstvorwürfe können in diesem komplexen Trauerprozess überwältigend sein. Häufig werden in endlosen Schlaufen Selbstgespräche geführt, in denen rekapituliert wird, was man anders hätte machen müssen, wie man den Suizid hätte verhindern können. Auch im Umfeld werden weitere Schuldige gesucht. Schuldgefühle gehören zu den stärksten Bindegliedern zu der verstorbenen Person. Sie sind zwar belastend, aber sie haben die Funktion die Beziehung aufrecht zu erhalten. Zudem schützen sie die Trauernden vor dem Gefühl der absoluten Ohnmacht. Paradoxerweise bleibt die suizidierte Person näher, wenn die Schuldfrage immer und immer wieder gestellt werden kann. Es bringt den Hinterbliebenen allerdings nichts, wenn sie unreflektierte Schuldzuweisungen oder –entlastungen hören. Gerade zu Beginn bringt es der trauernden Person nichts, wenn die Schuldfrage negiert wird und noch weniger, wenn vom Umfeld die Schuld aktiv zugeschoben wird. Schuldfragen dürfen, zumindest zu Beginn, auch einfach unkommentiert, aber doch gehört (!) bleiben. Später kann es hilfreich sein, wenn man der trauernden Person den Unterschied zwischen Schuldgefühlen und tatsächlicher Schuld aufzeigt und dabei mithilft, diese komplexen Emotionen einzuordnen.

totsächlich #19 Die Wut bricht durch

Acht Monate nach Angelikas Suizid hatte ich es nun zum ersten Mal gewagt zurück an die Uni zu gehen. Die Sperrzone hatte ich betreten und unsichtbare Barrieren waren eingebrochen. Doch der erste Besuch in der Sperrzone ging nicht spurlos an mir vorbei. Am nächsten Tag tobte ein Erinnerungs- und Gefühlswirbelsturm in meinem Inneren. Angelikas Suizid hatte mich bis dahin häufig in eine lähmende Starre, in Verzweiflung und scheinbar unendliche Trauer versetzt. Doch nun traten andere Gefühle in den Vordergrund, die zwar schon vorher da waren, die ich aber bisher nicht bewusst wahrgenommen hatte. Meinem Tagebuch vertraute ich damals folgendes an:

«Gestern war ich das erste Mal wieder in Zürich an der Fakultät, dank Peter. Doch wie einsam und verlassen habe ich mich ohne Angelika gefühlt. Wie vertraut und gleichzeitig entfremdet ist mir alles vorgekommen. Mir wurde wieder einmal schmerzlich bewusst, wie allein und im Stich gelassen ich mich von Angelika fühle. Alles hat nichts mehr gezählt, die Pläne, Abmachungen, aber vor allem auch unsere Freundschaft – alles wurde für sie so bedeutungslos, dass sie es einfach wegwarf. Angesichts des Todes von Angelika, glaube ich manchmal, nie mehr richtig Lachen zu können, entweder bin ich tief traurig oder unglaublich wütend.»

In die Gefühle von Trauer und Einsamkeit mischten sich nun vermehrt Wut und Enttäuschung. Sie hatte alles weggeworfen, alle gemeinsamen Pläne, alle Abmachungen, Versprechen, einfach alles. Wie konnte sie mir das bzw. uns nur antun?! Das war verdammt nochmal unfair. Ich schäumte vor Wut und war zutiefst enttäuscht von Angelika. Gleichzeitig erschrak ich selbst über meine starken Gefühle. Durfte ich so wütend auf meine Freundin sein? War das legitim? Sie konnte ja nicht anders – oder? Wie ein Tiger im Käfig ging ich im Wohnzimmer auf und ab. Ich wusste nicht wohin mit meiner Wut. Sollte ich sie an mir selbst auslassen? An meinen Mitbewohnenden? Vor Enttäuschung hätte ich laut schreien können – doch ich schwieg – zuerst. Irgendwann zog ich meine Joggingschuhe an und lief in den nächsten Wald. Da stand ich nun alleine, stampfte und trat auf die Bäume ein, die um mich herumstanden. Immer und immer wieder schlug und kickte ich auf die Baumstämme ein. Ich war unglaublich wütend auf meine tote Freundin und hatte gleichzeitig kein Ziel mehr für meine Wut, Angelika hatte sich ja allem entzogen, mit meiner Wut und den Vorwürfen blieb ich alleine zurück. Irgendwann war ich müde vom Schlagen und Treten und hatte zudem schon blaue Flecken an Armen und Beinen – doch ich fühlte mich ein bisschen besser. So ging ich wieder nach Hause. Ich setzte mich an den Küchentisch, machte einen Plan für den Studien-Abschluss, entwarf meine Lizentiats-Arbeit, schickte dem Ethikprofessor meinen Entwurf und beschloss mein Studium so bald wie möglich zu beenden. Meine Wut löste die innere Erstarrung auf, ein neues Feuer brannte in mir, ohne dass ich mir dessen bewusst war.

 

Reflexionen

Wie eine Flutwelle brach plötzlich die ganze Wut, Empörung und Enttäuschung über den Suizid meiner Freundin über mich herein. Bei einem Suizid kann, anders als bei einem Unfall, die Schuld der sich suizidierenden Person zugeschoben werden. Der Suizid als höchster Grad der Autoaggression löst auch Fremdaggression aus. Ein Suizid kann so bei den Hinterbliebenen grosse Wut und Enttäuschung auslösen. Das Problem ist nur, dass die Adressatin der Wut fehlt. Die Wut und Enttäuschung läuft ins Leere oder wird auf das Umfeld projiziert, weil die eigentlich verantwortliche Person nicht mehr da ist. Hier ist es wichtig ein „gesundes“ Ventil für die eigene Wut zu finden und noch viel wichtiger die eigene Wut überhaut zuzulassen. Hinterbliebene Personen haben ein gutes Recht wütend und enttäuscht zu sein. Es ist hilfreich sich dies selber zuzugestehen. Für helfende Berufe ist es wichtig um diese Wut zu wissen, sich davon nicht erschrecken zu lassen und den Hinterbliebenen Personen zu helfen sich diese zu erlauben, auszudrücken und konstruktive Wege des Umgangs damit zu finden.

totsächlich #18 Auf dem Weg zurück in den Alltag (2): Sperrzonen betreten

Wie im vorherigen Beitrag beschrieben willigte ich etwas zögerlich in den Vorschlag meines kirchlichen Mentors ein, mit ihm zusammen nach Zürich an die theologische Fakultät zu gehen. Es beruhigte mich, dass ich wusste, dass Peter schon öfter mit Hinterbliebenen eines Suizids, die Orte besuchte, welche zu inneren Sperrzonen wurden.

Wir besprachen vorab, welche Orte wir gemeinsam besuchen werden und wir vereinbarten einen Zeitrahmen. Mein Mentor erklärte mir detailliert, wie er solche „Besuche“ gestaltet. Er erklärte mir, dass wir immer wieder Pausen machen und an den einzelnen Orten verweilen werden. Dass er jeweils wissen wolle, wie es mir geht und je nachdem auch nach spezifischen Erinnerungen fragen werde. Zwischen dem ersten Gespräch und dem geplanten Besuch der Sperrzonen lag eine Woche. Während dieser Woche bereute ich die Abmachung immer wieder. Ich zweifelte an der Aktion, wollte mich gerne mit meiner Angst verkriechen, aber sicher nicht mit ihr konfrontiert werden. Doch glücklicherweise verhinderten mein Stolz und meine Sturheit, dass ich den Termin mit Peter absagte. Zudem hatten mich seine ruhige und kompetente Art überzeugt und ich traute ihm zu, die Situation im Griff zu haben.

So trafen wir uns eine Woche später um 10.00 Uhr am Bahnhof in Wetzikon und nahmen die S5 Richtung Zürich Stadelhofen. Im Zug sprachen wir zuerst über Belangloses, dann erklärte er mir nochmals den Ablauf des Besuches. Wir planten vom Bahnhof Stadelhofen zur theologischen Fakultät im Grossmünster zu spazieren. Da wollten wir bestimmte Orte und Räume zusammen besuchen und uns im Aufenthaltsraum etwas mehr Zeit nehmen. Abschliessen wollten wird den Besuch an der Florhofgasse, wo damals die Praktische Theologie untergebracht war. Glücklicherweise war es ein sonniger Tag und so stiegen wir am Bahnhof Stadelhofen aus und setzten uns zuerst auf eine Bank. Mir war übel vor Nervosität, Angst oder wovor auch immer. Doch während wir so auf der Bank sassen und ich Peter zeigen konnte, wo Angelika und ich uns immer getroffen hatten, wurde es besser. Der Bahnhof war plötzlich nicht mehr furchteinflössend, sondern wurde wieder zu einem belebten Raum mit einem regen Kommen und Gehen. Nach ein paar Minuten machten wir uns auf und spazierten zur theologischen Fakultät.

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Auf dem Weg dorthin wollte Peter etwas näher wissen, was die Freundschaft zu Angelika auszeichnete, was uns verband, was wir auch ausserhalb der Universität gemeinsam erlebt hatten. Ich erzählte ihm von unserer WG-Zeit, von den nächtlichen Joggingtouren auf den Bachtel und von den Höhen und Tiefen unserer Freundschaft. Auch Angelikas psychische Probleme, ihr schlechtes Selbstbild und meine ständige Angst vor einem Suizid kamen zur Sprache. In der Fakultät angekommen gingen wir zuerst in den Raum wo ich Angelika im Hebräischunterricht kennen gelernt hatte. In diesem Raum erzählte ich Peter von den Anfängen unserer Freundschaft. Ich beschrieb ihm, wie mir diese schüchterne und sympathische Person aufgefallen war und wie ich sie fragte, ob wir nicht zusammen lernen wollten. Es war wohl das erste Mal seit Angelikas Suizid, dass mich die Erinnerungen nicht nur traurig machten, sondern dass ich mich an ihnen auch ein bisschen freuen konnte. Peter und ich gingen weiter in andere Seminarräume, in die Bibliothek, in den zweiten Stock, dann in den dritten, bis wir im Aufenthaltsraum standen. Alles schien noch gleich zu sein. Die Tische, das Chaos um die Spüle, der Kühlschrank und etwas weiter hinten der Jöggelikasten. Beim Anblick des Jöggelikastens erstarrte ich innerlich. Wie sehr hatten wir dieses Ding geliebt. Wir waren ein super Team gewesen, fast schon unschlagbar. Peter und ich setzten uns. Zögernd erzählte ich ihm von diesem Raum und von den vielen Erinnerungen. Es war seltsam da zu sitzen, der Raum sah gleich aus und doch fühlte sich alles anders an. Nach längerer Zeit nahmen wir die letzte Etappe unseres Besuchs in Angriff, die Florhofgasse. Aber nachdem ich den Aufenthaltsraum „überlebt“ hatte war auch die letzte Station kein Problem mehr.

Es war ein intensiver Morgen, viele Erinnerungen und Emotionen wurden wachgerüttelt und kamen hoch. Doch es hatte sich gelohnt. Ich wusste, dass ich wieder in der Lage sein würde mein Studium aufzunehmen. Nach mehr als zwei Stunden kehrten Peter und ich zum Bahnhof zurück, wo wir auf den Besuch zurückblickten und sich unsere Wege bzw. Züge trennten.

Reflexion

Nicht alle Trauernden schützen sich vor ihren Erinnerungen und Gefühlen mit geographischen Sperrzonen. Manche machen das, andere wiederum errichten Sperrzonen indem sie gewisse Tätigkeiten nicht mehr ausüben oder erinnerungsbeladenen Gegenstände nicht mehr ansehen und anfassen. Sich gegenständlichen und örtlichen Sperrzonen anzunähern ist ein wichtiger Schritt im Trauerprozess. Es ist eine Aktion, die zurück ins Leben führt. Kompetente, sensible Freunde / Pfarrpersonen oder andere Fachpersonen können dabei unglaublich hilfreich sein. Sie selbst sind von der Furcht und Trauer nicht gefangen und können von den Emotionen nicht einfach überwältigt werden. Zentral bei einer solchen Begleitung ist für die Fachperson die Aussenperspektive auf die Situation (oder die Orte) zu wahren und gleichzeitig um die innere Verfasstheit der trauernden Person zu wissen. „Under control“ sein, heisst hier empathisch die Fäden von Emotionen, Erinnerungen, Orten, Tätigkeiten und Gegenständen zusammen zu bringen, ohne die trauernde Person zu überfordern. Wenn dies gelingt, können Ängste abgebaut und Sperrzonen wieder zu Lebensräumen werden.

 

totsächlich #17 Auf dem Weg zurück in den Alltag (1): Sperrzonen erkennen

Schon nahte der Frühling, die Tage wurden wieder länger und auch etwas wärmer. Doch mein Studium hatte ich nicht mehr aufgenommen. Ich konnte und wollte nicht mehr studieren, aber vor allem fühlte ich mich immer noch nicht fähig nach Zürich zu gehen. Schon bevor ich auf Hochzeitsreise ging und vor Angelikas Suizid hatte ich auf den Frühling 2007 ein Gespräch mit meinem kirchlichen Mentor Peter abgemacht. Und da ich ungern Termine absagte, ging ich zum Gespräch. Damals war es so, dass jede Person, welche beabsichtigte die praktische Pfarrausbildung zu absolvieren, eine Pfarrperson als kirchliche Mentorin oder kirchlichen Mentor haben musste. Die Aufgabe des kirchlichen Mentors war es, einem während dem Studium zu begleiten und bei den kirchlichen Eignungsabklärungen dabei zu sein. Als ich mich dann mit Peter im Kirchgemeindehaus traf, wusste er nicht, dass ich nicht mehr studierte. Ich kannte Peter nun schon ein paar Jahre und hatte ihn als kompetent und vertrauenswürdig erlebt. So erzählte ich ihm von der Selbsttötung meiner Freundin und meiner Orientierungslosigkeit. Zögerlich sprach ich weiter und erklärte ihm, dass ich mein Studium nicht mehr aufgenommen hatte und dass ich nicht wusste, ob ich dazu nochmals in der Lage wäre. Es war mir zwar peinlich, trotzdem erzählte ich ihm von dieser unsichtbaren, unüberwindbaren Wand, die zwischen dem Zürcher Oberland und Zürich zu sein schien und die es mir verunmöglichte wieder an die Universität zu gehen. Peter hörte mir aufmerksam zu und stellte ein paar Rückfragen. Er wollte wissen, ob ich generell Angst vor der Stadt Zürich hätte oder ob mir nicht vielmehr gewisse Gebiete Mühe bereiten. Er stellte Rückfragen nach den Orten, wo wir gemeinsam gelernt hatten und wollte wissen vor welchen Räumen an der Uni ich mich besonders fürchtete. Er erkundigte sich danach, wo ich Angelika kennen gelernt hatte und in welchen Räumen wir uns am meisten aufgehalten hatten. Peter tastete sich langsam an das Thema heran. Durch seine gezielten Fragen zwang er mich dazu konkreter zu werden, die Angst zu benennen und gewissen Orten und Räumen Erinnerung zuzuweisen. Wie ein Kartograf und eine Kartografin begannen wir das Gebiet zu vermessen und Grenzen und Wegmarken zu zeichnen. Dadurch bekam die Angst Konturen und wurde differenzierter. So wurde mir bewusst, dass ich nicht vor Zürich Angst hatte, sondern vor dem Gebiet um die theologische Fakultät. Der Angstpegel stieg je mehr ich mich gedanklich der theologischen Fakultät näherte. Am meisten fürchtete ich mich vor dem Aufenthaltsraum, da wo ich Angelika kennen gelernt hatte. Da wo wir gemeinsam gekocht, gelernt und Tischfussball gespielt hatten.

Ich konnte feststellen, dass die Angst linear mit der Menge von Erinnerungen, die ich gewissen Räumen und Orten zuschrieb stieg. Je mehr Angelika-Erinnerungen ich mit einem Ort verbinden konnte, desto grösser wurde die Angst vor diesem Raum. Zudem wurde die Angst konkreter, sie bekam eine Form und einen Umriss. Es war die Angst davor, dass mich die Trauer über den Verlust überwältigt, so sehr, dass ich es nicht mehr ertragen könnte. Ich hatte Angst davor, diese Gefühle nicht auffangen und kanalisieren zu können und davor ganz alleine an diesen erinnerungsbeladenen Orten zu stehen.

Gegen Ende des Gespräches hielt Peter inne, überlegte kurz und schlug mir vor gemeinsam nach Zürich zu gehen und zusammen diese Orte zu besuchen. Ich wusste, dass Peter ein geübter Notfallseelsorger ist, der auch andere Notfallseelsorgerinnen und –seelsorger ausbildet. So stimmte ich seinem Vorschlag zu und wir vereinbarten einen Termin für die kommende Woche.

Reflexion

Es war ein Glücksfall, dass ich eine hochqualifizierte, in der Notfallseelsorge sehr geübte Pfarrperson als Mentor hatte. Er erkannte, dass die Angst wie eine undurchsichtige Wolke über mir schwebte. Sie war riesig und nicht fassbar. Indem er mir half die Angst zu benennen und die Erinnerungen konkreten Orten und Räumen zuzuordnen, verlor sie ihre Übermacht. Die Angst wurde fassbar. Sie wurde in Stücke zerteilt und konnte mich nicht mehr überwältigen. Es hatte mir geholfen, dass wir die Angst nicht einfach Angst sein liessen und wegschauten. Mit Peter zusammen wurde es möglich ihr ins Gesicht zu blicken. Die Angst war zwar noch da, aber sie wurde überschaubar und erste Schritte auf sie zu wurden möglich. Ich konnte ihr in die Augen, bzw. in die geographischen Orte, Räume und Erinnerungen schauen. Dies hätte ich damals nicht alleine machen können. Es war nötig, dass mir eine kompetente Pfarrperson / Fachperson bei dieser Aufgabe half. Ich war zum einen darauf angewiesen, dass sich jemand auskannte, keine Angst vor dem Thema hatte und in der Lage war ein gelingendes Seelsorgegespräch zu führen. Ich fühlte mich während dem Gespräch nie in Gefahr, allein der Angst ausgeliefert zu sein und von ihr überrollt zu werden. Da war eine Person, die mir das Gefühl gab „under control“ zu sein, die wusste was sie tat und mich in diesem Gespräch Stück für Stück weiterführte. Fachpersonen, Pfarrpersonen, kompetente Begleiterinnen und Berater sind in diesem Schritt der Trauerbewältigung zentral. Sie sind es, die auf Wege hinweisen, die gangbar sein könnten und diese Wege mit der trauernden Person zusammen beschreiten. Als Trauernde hätte ich weder den Blick noch die emotionale Kapazität gehabt diesen Weg alleine zu gehen. So war es also mein kirchlicher Mentor, der die erste Brücke zurück an die Universität, zurück in das geliebte Theologiestudium, baute.

 

Ökologische Haustiere – Wurm-Recycling

Nachdem ich mich über einige Jahre an einen Kompost im Garten gewöhnt hatte, störte es mich, nach dem Umzug in eine Wohnung, dass unserer Rüstabfälle im Mülleimer landeten. Es war paradox: das wertvolle organische Material wurde weggeworfen und gleichzeitig ging ich ins Gartengeschäft und kaufte Kompost für unseren „urbanen“ Terrassengarten. Organisches Material wie Rüstabfälle, Pflanzenabschnitte etc. sollten in den Stoffkreislauf der Natur zurückgeführt werden, sie ergeben einen hervorragenden Humus und gelten als vollwertiger natürlicher Dünger. In der Schweiz wurden 2012 insgesamt 851’000 t biogene Abfälle wiederverwertet, was einer Menge von 106 kg pro Person pro Jahr entspricht (Quelle: BAFU).

Es waren einige Recherchen notwendig, doch dann zogen bei uns 1001 Kompostwürmer ein.

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Da die „Behausungen“ für die Würmer von WORMUP immer ausverkauft waren, entschied ich mich für einen anderen Kompostierer (die wormups bieten allerdings m.E. den klimatisch natürlichsten Lebensraum für die Würmer). So leben nun seit bald einem Jahr eine ganze Menge Würmer in unserer Wohnung und verwerten die Küchenabfälle in rasantem Tempo. Stinken tut nix und der Reinigungsaufwand beträgt nicht mehr als 30 Minuten pro Woche.

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Ein paar Tricks gibt es zu beachten:

  1. Die Würmer müssen sich zuerst einleben – langsam anfüttern.
  2. Die „Wurmbehausung“ sollte nicht zu trocken und nicht zu feucht sein.
  3. Je kleiner die Küchenabfälle zerstückelt werden, desto schneller und effizienter sind die Würmer.
  4. Der Wurmkompost muss jede Woche einmal gewendet werden.
  5. Keine Zitrusfrüchte, Zwiebelreste, Milchprodukte und kein Fleisch in den Kompost, das mögen die kleinen Vielfrasse nicht.
  6. Teigwaren, Reis und andere Kohlenhydrate nicht in zu hohen Mengen.
  7. Sehr gerne werden Gemüseabfälle und Früchte von den Würmern gegessen.

Messy Church – an example of a a milieu-sensitive church in a postmodern world

You can find the whole article with more details in „Being Messy, Being Church

Messy Church, as a local contextual church and a worldwide movement at the same time, appeals to thousands and thousands of people who might not otherwise attend `traditional church’. Why? What are the cultural differences? Is it because of lower expectation of prior knowledge? Does Messy Church function better within certain cultures? And how important are the formation of relationships, the possibility of participation and the aspect of fun? As already shown in previous books, Messy Church is not ‘church lite’; it is grounded in Christian tradition, centred on God and it aims to be church.[1] And still it is a place where (certain) postmodern, unchurched and de-churched people want to be and want to learn, celebrate and experience Christian spirituality[2].

[1] Cf. George Lings, (ed)., Messy Church Theology. Exploring the significance of Messy Church for the wider Church (Abingdon: The Bible Reading Fellowship, 2013).

[2] As the report from the Church Army’s research Unit suggests: 80% of the people involved in a fresh expression wouldn’t be in an other church.  http://www.churchgrowthresearch.org.uk/UserFiles/File/Reports/churchgrowthresearch_freshexpressions.pdf

Messy Church, postmodernity and Sinus-Milieu – an Analysis

Anyone who visits a Messy Church knows that it is a loud, colourful and messy place. Kids are running around, parents, volunteers and elderly people are talking and lots of creative possibilities for adults and children are there to be discovered. People of all-age (except teenagers) sit together around tables, eating, painting, experiencing Christian stories in creativity, crafts and discussing life. If a steeple or pews are a symbol for inherited church and icons for the Orthodox Church, a table is the object that best symbolizes Messy Church. Messy Church is about people sharing life (and Christ) around a table. A happy and harmonious atmosphere is what people often experience, and this is what the Modern Mainstream milieu of the Sinus-Milieus-Theory is looking for. Sinus-Milieus are descriptions of segments of existing cultures in a common society. Because priorities of values, social situations, heritage and lifestyles are taken into account, Sinus-Milieus are not as fast changing as for example lifestyle typologies. Strikingly, many fresh expressions of church can be correlated with a specific milieu[1]—including Messy Church. Many people found in Messy Church belong to the Modern Mainstream, but it is important to know that there is always an overlap between the milieus there is no absolute delineation.

a. Time and Security

If the relational and child-focused environment that Messy Church creates is compared with the needs and wants of the Modern Mainstream milieu of the Sinus-Milieu theory, they very much fit and correlate. This milieu is called Quiet Peaceful Britain in the UK analysis; this group are looking for harmony and private happiness, strong relationships with family, relatives and friends, and comfort and pleasure. They are striving for social integration and material security and they are often defensive towards changes in society.[2] The setting of Messy Church addresses these needs and creates an environment where spirituality can be discovered playfully. In contemporary life, there are not many opportunities for families to actually do things together, to have time for a meal and to experience and talk about the meaningful things in life. In a fast and hectic world full of work, appointments and ‘to do’ lists, these times of being together already have a sacred feel to them.

Messy Church offers not only time together as a family, but it opens up a safe and sacred space by giving people a visible structure. Even tough people are surprised by the creative ideas, Christian experiences and messy possibilities that are going on in Messy Church, all within an apparently ordered and safe setting. Messy Church is structured and it has a time frame to it. If you visit different Messy Churches, you will immediately notice that the time frame (and sometimes the meal) differs from one context to another. But for the families involved in one local Messy Church, it offers a fairly fix structure (creativity, celebration, meal). The milieu of the Modern Mainstream is in need of this safe, predictable structure. If that is not provided, then those attending wouldn’t to feel comfortable to explore spirituality and build up the relational surrounding that works so well in Messy Church. A postmodern and pluralistic world offers fewer of those safe and secure places, values and behaviours. The need for reliable environments is especially high for this milieu, and Messy Church provides this, making it very attractive for the Modern Mainstream to visit, participate and become involved.

b. Relationship and community

Messy Church opens up the possibility of meeting people with children of a similar age, to build up friendships and to talk about the schools in the area, about the sorrows and joys they experience as a family. Messy Church enables families to belong to a wider ‘clan’ and be integrated into a bigger community. It even can be thought of as a replacement of clan structures, with grandparents and the wider family, that were give until the 19th and 20th centuries. In Messy Church children have the possibility of interacting with proxy grandparents. This is often very appreciated by the Modern Mainstream, because the value of family can still be passed on, even if the natural family lives far away. Often volunteers in Messy Church are also from the Modern Mainstream, though the older volunteers might be from the Traditional milieu. The Traditional milieu represents values such as security and orientation to the status-quo, rather rigidly sticking to traditional values (such as sacrifice, duty and order). They are modest and honest, down to earth, refer to themselves as ’the little people’, and are often concerned with health-care.[3] The volunteers from the Traditional milieu help to provide security and family values.

c. Participation

Modern Mainstream appreciate traditional values and a good domestic setting, including good housing, a little garden, a car, getting good marks at school, perhaps owning a dog. They value respect, good behaviour, love for each other, a good upbringing and some spirituality of some form. But these do not necessarily lead to ‘going to traditional church’ since, alongside these values, Modern Mainstream people are still postmodern people. If there isn’t an opportunity for participation, if there is no option to correlate the Christian content with the daily experience of life, then these people are not interested in church. There is not much time in the week after the demands of work, so if the place doesn’t fit for the whole family they will use their time differently. The participative nature of Messy Church, with its opportunities to explore an experience-based spirituality, opens the door for church in the life of a postmodern-modern-mainstream-minded person. This setting actually offers a space to get involved in a relevant way. This wouldn’t be the case for a person from (for example) the Digital Avantgarde, since this group are looking for non-conformist, no-fixed-dogma, creative and individualistic environments, where self-realization, freedom and independence is given.[4]

Because Messy Church is experience based, easy accessible and a place to have fun, it attracts not only people from the milieu of the Modern Mainstream but also from the Consumer-Materialists. This milieu is marked by materialistic and consumer hedonistic values. People in this group are striving to keep up, but often remain socially disadvantaged and uprooted, sometimes even precarious.[5] It seems more difficult for church to build up relationships with this milieu, because this group are looking for even more possibilities of experience and fun. But the simplicity of communication in Messy Church makes it highly accessible for this milieu. Most Messy Churches will probably have more Modern Mainstreamers and a few Consumer-Materialists, unless they develop next to or within socially deprived areas.

d. Experience

The life-style and mind-set of many postmodern people is very much experience-based. They construct faith, truth and identity out of experience; only what is experienced and lived through turns into a meaningful reality in life. People increasingly need to know that God is involved in the details of their lives. Messy Church is about giving people room to realize and experience that. It is an accessible spirituality which is very ‘can do’: ‘you can experience God’. The represented Sinus-Milieus in Messy Church are drawn to an everyday description of spirituality; God is attractive when presented as friend, companion, listener and ever-present reality. In contrast, there is much resistance to images of God as king, leader and judge, because this presentation of God is seen as a temptation to shirk personal responsibility for justice on earth. Messy Church creates a specific space for experiences—individually, as family and as extended Messy Church family. The individual religious experience turns, mainly through creativity, into a shared one. Furthermore, the experiences are often relational ones and that is what postmodern people are missing. So through individual experiences in a relational setting church happens contextually. Shared religious values and a sense of belonging emerges. It is not just spirituality has to be experienced, but also theology, church and Christian community.[6] It is then that it gains relevance in the life of a postmodern Modern Mainstream person. In this way, Messy Church fits very much into the general goal of fresh expressions of church as described by Rowan Williams:

Simply, I think, to provide a framework for people to discover faith and discipleship.[7]

e. Contextuality

The contextual framework of Messy Church allows people to discover faith and, in the long term, discipleship. Within pluralism there is no one-size-fits-all model anymore (if there was ever one). A diverse, pluralistic and postmodern world needs to work very locally and to be grounded in its immediate context. On the one hand, Messy Church does offer exactly that; it works super-locally. On the other hand, Messy Church is nearly a global movement; it combines the super-local and the globalized, networked world at the same time. Because of this, it is possible to be part of a contextual ‘little’ church and still be part of something bigger. This mind-set fits postmodern people and raises the motivation for involvement. And it is especially important for volunteers to be part of something bigger than the local. It opens up ‘kingdom thinking’ which at the same time is very local; as Dave Male put it:

So I think it is very much saying: this isn’t just a community that gathers for its own sake, but it gathers for the sake of the world.[8]

In my whole research on the Fresh Expressions movement (and Messy Church as part of it) the underlying topic of the furtherance of the ‘Kingdom of God’ emerged as important. That’s why church ought to be contextual, in order to be able to share life with postmodern, and in the case of Messy Church, Modern Mainstream people.

Conclusion

A good relationship between church and postmodernity can be described as one of facilitation. The church facilitates relational space for community between God and the world. This event is described by Rowan Williams:

Somehow the church as a priestly people bringing the need of the world to God, bringing the promise of God to the world, standing in the middle, that’s important.[9]

According to this mind-set church primarily happens through an encounter of people with each other and God.[10] Through that a dialogical-relational ecclesiology emerges, in which church is not defined according to a practice, institution or building, but rather according to a dialogical relational-event between the Trinity, Christian community, society and the worldwide body of Christ. Church development becomes a contextual offer of dialogue between different sides with its goal to contribute to the kingdom of God.[11]

Messy Churches around the world do facilitate this interaction by actually creating the space to discover spirituality for postmodern people. This is its strength. In this process theology happens very much hands-on and in this manner is brought into everyday life. Messy Church thereby combines social and Christian values, community in the neighbourhood and doing things with being church. By that a church emerges which is suitable for Modern Mainstream and partly Consumer-Materialists milieus. The set up of Messy Church guarantees Christian and ecclesial experiences in a safe environment. As such Messy Church has to pay attention to stay contextual in every new setting it emerges. It would not have done justice to Messy Church and its potential if it had been degraded to a program. The temptation to generalize the whole Messy Church movement to a model is ever present. This is partly because the Modern Mainstream milieu is widespread globally. But in the long run Messy Church is successful because of its very contextual nature; postmodern people, including children, and their way of relating to God are taken seriously. Such a respect for individual journeys of faith is essential.

Messy Church did not start with concepts but with people—people who just wanted to be and do church with their neighbours. This relational experience-based approach is the key with segments of a pluralistic and postmodern society and it is perhaps also the key to changes in the wider church. At the very least, Messy Church provides a helpful innovative field of learning for many long-standing churches. In the Church of England the relational and experience-based approach of fresh expressions of church has influenced and still influences its ecclesiology and therefore in the end its relationship to a postmodern society.

 

[1] Cf. SINUS: Informationen zu den SinusMilieus (Heidelberg, 2011).

[2] «Sinus-Meta Milieus», 8, accessed 6th January 2016, http://www.sinus-institut.de/veroeffentlichungen/downloads/.

[3] Ibid.

[4] Ibid.

[5] Ibid.

[6] The concept of theology in Messy Church fits very much into the discussion on contextual theology. Cf. for example Laurie Green, Let’s Do Theology: Resources for Contextual Theology, 2. Aufl. (London ; New York: Mowbray, 2009), 4ff.

[7] Müller, Fresh Expressions of Church – Beobachtungen und Interpretationen einer neuen kirchlichen Bewegung Chapter 7.6.4 .

[8] Ibid. Chapter 7.3.4 .

[9] Ibid. Chapter 7.4.3.

[10] Cray et. al., Mission-Shaped Church, vii.

[11] Sabrina Müller, «Fresh Expressions of Church», in Handbuch für Kirchen- und Gemeindeentwicklung, hg. von Ralph Kunz und Thomas Schlag, 1. Aufl. (Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Theologie, 2014), 453.